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S-Bahn Schwitzkasten


Der S-Bahn Schwitzkasten ist eine Beitragsserie, die seit dem 8. März 2015 läuft. Wöchentlich erscheinen in der Landespresse drei Beiträge mit jeweils einer Frage rund um das Thema S-Bahn.

 

Schauen Sie bald wieder vorbei und lesen Sie, mit welchen Fragen unsere Fachexperten in den Schwitzkasten genommen werden. Oder haben Sie gar selbst eine Frage? Ja, dann nehmen Sie mit uns Kontakt auf.

Skinner
22.03.2015
Was habe ich als Oberländer von der S-Bahn?
Die S-Bahn Schwitzkasten Frage von Peter Kunkel aus Triesen

Nur einzelne Siedlungen liegen am Bahngleis. Ist die S-Bahn deswegen ein Luxusprojekt für
wenige, während der grösste Teil des Landes ausgegrenzt wird?

Wenn jemand wie der Triesner Peter Kunkel weit weg von der Bahn wohnt, liegt es nicht gerade auf der Hand, das Projekt gutzuheissen.

 
Peter Kunkel: Wieso soll ich als Oberländer für die S-Bahn sein?

 
Markus Verling: Das ist eine der zentralen Fragen. Kurzfristig profitieren die bereits erschlossenen
Gemeinden, die Automobilisten, die dank umsteigender Pendler mehr Platz auf der Strasse haben
und die ÖV-Benutzer von aufeinander abgestimmten Bahn- und Busverbindungen. Die S-Bahn ist
aber ein Generationenprojekt. Sie eröffnet Optionen für das ganze Land und genau darüber sollten
sich vor allem die Oberländer und alle, die abseits des Bahntrasses wohnen, Gedanken machen.
 
Es geht darum, jetzt den Grundstein für einen zweiten Verkehrsträger zu schaffen und damit Möglichkeiten zur Weiterentwicklung zu eröffnen. Wollen wir das, oder wollen wir stattdessen glauben, dass es auf alle Zeiten so wie bisher weiterfunktioniert? Wir sollten jetzt solidarisch sein. Es geht um einen wegweisenden Entscheid für die Mobilität. Verantwortung nehmen wir dann wahr, wenn wir in dieser Frage nicht nur an uns selbst und an das Heute, sondern an Liechtenstein und morgen denken.

 

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20.03.2015
Wieso finanzieren wir eine Infrastruktur, die uns nicht gehören wird?
Die «S-Bahn Schwitzkasten»-Frage von Stefan Schädler aus Triesen

Das S-Bahn Projekt sieht vor, dass sämtliche Eisenbahninfrastruktur nach dem Bau ins Eigentum der ÖBB übergeht, während nur die neuen Strassen und Radwege dem Land gehören. Stefan Schädler aus Triesen wundert sich darüber.

 

Stefan Schädler: Warum beteiligt sich Liechtenstein an der Finanzierung des ÖBB-Eisenbahnausbaus?

 

Markus Verling: Es handelt sich tatsächlich um einen einmaligen Investitionskostenbeitrag an die ÖBB. Das ist aber nichts Aussergewöhnliches. Auch die Dampfbrücke Schaan – Buchs beispielsweise wurde vom Land mitfinanziert, ohne dass wir jetzt Miteigentümer sind. Zwei Aspekte waren ausschlaggebend für das Beteiligungsmodell. Erstens: Wir investieren in etwas, das uns zwar nicht gehört, aber grossen Nutzen bringt. Zweitens: Ausser der Investition fallen für die umfangreiche Eisenbahninfrastruktur keine laufenden Betriebs- und Unterhaltskosten an. Wir verfügen übrigens auch gar nicht über die Fachkompetenz, die Eisenbahnanlagen zu unterhalten. Dazu müssten wir eigens Strukturen schaffen, was wiederum mit beträchtlichen Kosten verbunden wäre.

 
Stefan Schädler: Und wer garantiert uns, dass die Anlagen auch werterhaltend betrieben und gewartet werden?

 
Markus Verling: Das ist über die neue Konzession klar geregelt. Die ÖBB sind vertraglich dazu verpflichtet. Sie sind ja auch daran interessiert, denn nur intakte Anlagen machen das Angebot attraktiv.

 

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17.03.2015
Wie schaut so ein S-Bahnhof aus?
Die «S-Bahn Schwitzkasten» Frage von Nicole Berger

Neben Gleis- und Strassenbauten ist auch die Erneuerung der bestehenden Haltestellen Teil
des S-Bahn Projekts. Wie man sich diese vorstellen kann, interessiert Nicole Berger.

 

Vier Stopps bestehen entlang der Eisenbahnlinie in Liechtenstein. Erst ihr Ausbau ermöglicht die Vernetzung der verschiedenen Verkehrsträger.

 
Nicole Berger: Unsere Bahnhöfe sind ja total veraltet. Wie werden sie ausschauen, wenn das S-Bahnprojekt realisiert wird?

 

Markus Verling: Die Haltestellen sind für das ganze Projekt von zentraler Bedeutung, denn nur wer attraktive Ein- und Umsteigemöglichkeiten hat, wird die S-Bahn benützen. Park & Ride Anlagen, Veloabstellplätze, Busvorfahrten und Taxistände gewährleisten die Anbindung und Vernetzung. Auch Plätze für Kiss & Ride gibt es. Das sind Vorfahrten für Autos, an denen Personen rasch aussteigen und sich verabschieden können. An den S-Bahnhöfen treffen sich alle Verkehrssysteme und greifen ineinander. Wir sprechen deshalb von Mobilitätsdrehscheiben.

 

Damit die Bahnhöfe diese Anforderungen erfüllen können, werden sie komplett erneuert. In erster Linie geht es um Zweckmässigkeit und Barrierefreiheit. Die Bahnsteige werden erweitert und niveaufrei gestaltet, zentrale Bereiche werden überdacht und mit Sitzmöglichkeiten ausgestattet. Personenunterführungen stellen sicher, dass die Passagiere bequem und sicher auf die richtige Seite der Geleise gelangen.

 

Nicole Berger: Werden alle Bahnhöfe gleich ausgebaut?

 
Markus Verling: Schaan-Vaduz, Nendeln und Schaanwald werden nach denselben Standards
ausgestaltet. Einzig die Haltestelle Schaan-Forst wird etwas einfacher sein, d. h. ohne direkte
Busanbindung, Park & Ride Möglichkeit und Unterführung.

 

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15.03.2015
Wann kann ich S-Bahn fahren?
Die «S-Bahn Schwitzkasten»-Frage von Brigitte Bühler aus Eschen.

Die S-Bahn ist ein Projekt, von welchem vor allem die kommenden Generationen profitieren
sollen. Einige Zeit dauern wird es auch noch, bis die Züge überhaupt fahren könnten.

Sollten der Landtag im Juni und das Stimmvolk im Herbst grünes Licht für die S-Bahn geben, kann der
Startschuss für die Umsetzung des Projekts erfolgen. Bis die Bahn dann schliesslich fahren wird, fliesst noch viel Wasser den Rhein hinunter.

 
Brigitte Bühler: Ich hoffe sehr, dass das Projekt umgesetzt wird. Wann könnte ich denn frühestens in die S-Bahn einsteigen?

 
Markus Verling: Bauvorhaben dieser Grössenordnung und Komplexität brauchen viel Zeit für die
Umsetzung. Optimistisch wäre es, zu sagen, dass die Züge 2020 rollen, realistischer ist wohl 2022 und
etwas pessimistisch wäre 2025.

 

Wenn tatsächlich grünes Licht für den Bau der S-Bahn gegeben wird, folgen zunächst die Ausführungsplanung sowie anschliessend die Ausschreibung und Vergabe der Aufträge. Das dürfte zwei Jahre in Anspruch nehmen. Danach müssen wir mit einer Bauzeit von mindestens drei Jahren rechnen, und das auch nur dann, wenn alles optimal läuft. Die Dauer der Projektumsetzung ist von vielen Faktoren abhängig. Wir gehen also von fünf bis zehn Jahren aus.

 

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12.03.2015
Wofür werden fast 100 Millionen Euro ausgegeben?
Die «S-Bahn Schwitzkasten»-Frage von Michael Benvenuti.

Für eine zeitgemässe S-Bahn-Linie sollen zwischen den Bahnhöfen Feldkirch und Schaan-Vaduz rund 100 Million Euro in den Ausbau der bestehenden Eisenbahninfrastruktur investiert werden. Da stellt sich die Frage, welche konkreten Massnahmen geplant sind.

 

Michael Benvenuti: Das S-Bahn Projekt soll 100 Millionen Euro kosten. Muss tatsächlich so viel Geld für den Ausbau einer Eisenbahnlinie ausgegeben werden?

 

Markus Verling: Richtig, das Gesamtprojekt wurde auf der Preisbasis des Jahres 2010 in dieser Höhe
veranschlagt. Dazu ist allerdings zu sagen, dass es sich um ein gemeinsames Projekt zwischen Liechtenstein und Österreich handelt, bei dem sich unser Kostenanteil auf 50 Millionen Euro beläuft. Das Projekt besteht zudem nicht nur aus einer Doppelspur, die das Kreuzen von Zügen und damit die Einführung eines Halbstundentaktes möglich macht, sondern auch aus ergänzenden Massnahmen, die die S-Bahn für unser Land und die Region attraktiv machen.

 

Michael Benvenuti: Um welche begleitenden Massnahmen geht es konkret?

 
Markus Verling: Neben dem erwähnten Gleisausbau werden die Bahntechnik und die Haltestellen bzw. Bahnhöfe erneuert. Es entstehen Mobilitätsdrehscheiben, wo Bahn-, Bus-, Auto-, Fahrrad- und Fussgängerverkehr sich begegnen. Zudem wird auch in den Lärmschutz investiert, und was das Ganze zum Gesamtverkehrsprojekt macht, sind Neubauten von Strassen und Radwegen. In Nendeln wird es beispielsweise keine Engelkreuzung und keinen Bahnübergang mehr geben, stattdessen jedoch eine Umfahrung mit Unterführung.

 

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10.03.2015
Wieso ist die S-Bahn jetzt Thema?
Die «S-Bahn Schwitzkasten»-Frage von Günther Fritz.
Die S-Bahn ist ein Grossprojekt mit beträchtlichen Kosten. Günther Fritz will daher von Markus
Verling wissen, ob es klug sei, das Thema gerade jetzt vor den Landtag zu bringen.

Günther Fritz: Wieso legt die Regierung dem Landtag das S-Bahn Projekt in einer Zeit vor, wo sonst an allen Ecken und Enden gespart wird?

 
Markus Verling: Es mag durchaus sein, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht gerade gut sind. Die Regierung hat sich den Zeitpunkt allerdings nicht willkürlich ausgesucht, er drängt sich vielmehr auf und ist, wenn man so will, so günstig wie er lange nicht mehr sein wird.

 
Günter Fritz: Was ist also der Grund?

 
Markus Verling: 2017 läuft die Konzession der ÖBB für den Betrieb der Bahnstrecke durch unser Land aus. Im Rahmen der Verlängerung müssen die ÖBB in die Infrastruktur investieren. Und genau diese Gelegenheit wollen wir beim Schopf packen, denn es hat sich gezeigt, dass von der Erneuerung und einem Ausbau des aktuellen Bestandes sowohl Österreich als auch Liechtenstein profitieren können.

 

Wir sind daran interessiert, eine Alternative zum Strassenverkehr aufzubauen. Es ist von regionalem Interesse, die Strecke durch unser Land an die S-Bahnsysteme in St. Gallen und Vorarlberg
anzubinden. Schon früh sind daher Gespräche geführt worden, sodass eine finanzielle Beteiligung Österreichs für alle Projektmassnahmen, auch für die begleitenden Strassen- und Radwegprojekte, in Aussicht steht. Liechtenstein muss jetzt entscheiden, denn bis zum nächsten Konzessionsverfahren
vergehen wieder vier Jahrzehnte. Wenn wir die S-Bahn nicht jetzt, mit Beteiligung Österreichs, bauen, kostet uns ein Bau in Zukunft viel mehr Geld.

 

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08.03.2015
Braucht Liechtenstein eine S-Bahn
Die «S-Bahn Schwitzkasten»-Frage von Michael Winkler.

Mit dem ersten Beitrag der Serie «S-Bahn Schwitzkasten» hat in der Sonntagszeitung LIEWO vom 8. März 2015 die Information der Regierung über das S-Bahn Projekt ihren Auftakt genommen. Dazu nahm LIEWO-Chefredaktor Michael Winkler den Leiter des Amtes für Bau und Infrastruktur, Markus Verling, in den S-Bahn Schwitzkasten.

 

Michael Winkler: Hand aufs Herz, brauchen wir wirklich eine S-Bahn?

 

Markus Verling: Da kann ich ganz offen sein. Heute kommen wir noch ohne sie klar. Doch jetzt kommt das grosse Aber, denn Liechtenstein braucht die S-Bahn für die Zukunft. Das ist auch schnell erklärt. Wir kennen alle die Wachstumsprognosen bezüglich Bevölkerungs- und Arbeitsplatzentwicklung. Die damit einhergehenden Mobilitätsbedürfnisse können wir auf die Dauer nicht auf unserem begrenzten Strassennetz sicherstellen. Es geht deshalb nicht ohne ein zweites, von der Strasse unabhängiges Verkehrsmittel.

 

Michael Winkler: Und das ist eine S-Bahn?

 

Markus Verling: Ja, da bin ich ganz Realist. Wir haben seit mehr als 100 Jahren ein Gleis und jetzt bietet sich die Chance, es nach und nach zu einem funktionierenden und leistungsfähigen Verkehrsträger für unser Land auszubauen. Gleichwertige Alternativen sehe ich derzeit keine. Es braucht jetzt Weitblick und den Mut, eine Entscheidung zu treffen, von der wir in Zukunft alle profitieren werden, vor allem die nächsten Generationen.

 

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